Central and East European
Society for Phenomenology

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220504

Historismus und Sozialökonomik

Patrick HenßlerJosef Schmid

pp. 33-73

Abstract

Die Ältere Historische Schule der Nationalökonomie mit den Protagonisten Wilhelm Roscher, Bruno Hildebrand und Karl Knies ist die erste große geistige Richtung des 19. Jahrhunderts, die für die Ausgestaltung des historischsoziologischen Bevölkerungsbegriffs prägend werden sollte. Ihr erster geistesgeschichtlicher Baustein ruht auf dem Historismus, der das Denken in Bewegungen vom Idealismus übernommen und in die gerade entstehenden Sozialwissenschaften hineingetragen hat. In diese große Bewegung lässt sich die spezifisch deutsche Nationalökonomie immer im Kampf um das eigene Selbstverständnis einordnen. Den Idealen des Historismus verpflichtet, kämpft sie gegen den Absolutismus der Theorie und für die Relativität der geschichtlichen Erscheinungen. Danach wird nicht nach Theorien mit zeitloser Geltung gesucht, sondern nach dem Zustandekommen einzelner Lebensformen. Wirtschaft ist keine Naturtatsache, sondern eine mit außerwirtschaftlichen (historischen, sozialen, politischen, nationalen) Faktoren verwobene "Kulturtatsache" und nur induktiv, d.h. Einzelerscheinungen verbindend, zu verstehen. Der umfassende Vergleich der historischen Erscheinungen wird das grundlegende Instrument dieser Betrachtungsweise. Mit der Konzentration auf das "Volksleben", ihrer immanenten Wirtschafts- und Sozialkritik war die historische Schule eine Gegenbewegung zum Systemdenken des klassischen ökonomischen Liberalismus, und damit —so urteilt Thomas Nipperdey—"ein völlig deutscher Gegenstand"23.

Publication details

Published in:

Henler Patrick, Henßler Patrick, Schmid Josef (2007) Bevölkerungswissenschaft im werden: die geistigen Grundlagen der Deutschen Bevölkerungssoziologie. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Pages: 33-73

DOI: 10.1007/978-3-531-90291-3_3

Full citation:

Henßler Patrick, Schmid Josef (2007) Historismus und Sozialökonomik, In: Bevölkerungswissenschaft im werden, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 33–73.