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Soziale Marktwirtschaft und Soziale Sicherheit
Bevölkerungssoziologie nach 1945
pp. 219-269
Abstract
Nach Kriegsende waren Bevölkerungswissenschaft und noch mehr Bevölkerungspolitik in der Bedeutung, die sie im "Dritten Reich" innehatten und dort exekutiert wurden, unmöglich geworden. Doch das vorhin skizzierte "Schisma" im deutschen Bevölkerungsbegriff, das Auseinanderfallen des Gegenstandes in eine sozialgeschichtliche Einheit auf der einen Seite und in einen erbbiologischen Volkskörper, an dem Zivilisationsschäden laufend behoben werden müssen, auf der anderen Seite, kam bald nach Kriegsende zum Vorschein. Es hat sich dahingehend bestätigt, dass die vom Wissenschaftsverständnis her unvereinbaren Bereiche sich wieder auf ihre Herkunftsdisziplinen zurückgezogen haben: der erbbiologische Bereich musste seine diskreditierte rassenpolitische Intention ablegen und wanderte zurück in Humangenetik, Anthropologie, in Medizin und Gesundheitswesen, oft ohne den Ort zu wechseln.530 Der sozialgeschichtliche Flügel war jedoch kleiner und hatte zudem mit dem plötzlichen Tod Mackenroths 1955 seinen Protagonisten verloren. So hat es bis in die 1970er Jahre gedauert, bis sich eine soziologische Sicht in der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft wieder melden und durchsetzen konnte.
Publication details
Published in:
Henler Patrick, Henßler Patrick, Schmid Josef (2007) Bevölkerungswissenschaft im werden: die geistigen Grundlagen der Deutschen Bevölkerungssoziologie. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.
Pages: 219-269
DOI: 10.1007/978-3-531-90291-3_8
Full citation:
Henßler Patrick, Schmid Josef (2007) Soziale Marktwirtschaft und Soziale Sicherheit: Bevölkerungssoziologie nach 1945, In: Bevölkerungswissenschaft im werden, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 219–269.