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Die schrift als Teil der Rede?!
Humboldts Artikulation der Erinnerung
pp. 239-256
Abstract
Humboldts Schriftverständnis — so könnte es auf den ersten Blick scheinen — ist lange Zeit kaum zum Gegenstand sprachtheoretischer Forschung geworden. Gegenüber einer Fülle von Thematisierungen des Sprachverständnisses nimmt sich die explizite Erörterung der Schriftproblematik in der Tat eher bescheiden aus, ein Sachverhalt, der sowohl vernünftige als auch ›unvernünftige‹ Gründe hat. Zunächst zu den letzteren: Aus heutiger Sicht problematisch muß wohl die ungestüme und häufig auch zusammenhanglose Dauerinterpretation isolierter sprachtheoretischer Hauptsätze Humboldts gesehen werden, eine Rezeptionsstrategie, die noch nicht einmal dem sprachtheoretischen Werk wirklich gerecht werden konnte, die jedoch zusätzlich den massiven Nachteil hatte, den reichhaltigen sprachwissenschaftlichen Nachlaß von vornherein auszuklammern. Erst in den letzten Jahren wird hier von der Forschung vehement gegen- bzw. nachgearbeitet, vor allem durch die von Kurt Mueller-Vollmer eingeleitete Herausgabe der sprachwissenschaftlichen Schriften Humboldts.1 Von der weitgehenden Unterlassungsstrategie diesem zweiten wichtigen Fundament Humboldtschen Sprachdenkens gegenüber war aber auch das hier zur Erörterung anstehende Schriftverständnis betroffen. Die Verweigerung des Materialen trifft immer auch dessen theoretische Reflexion gleich mit, ein wissenschaftstheoretisches Grundproblem, das beileibe kein Vorrecht der Humboldt-Forschung ist. Schwerer noch als solche wissenschaftsgeschichtlichen Ausbildungen bzw.
Publication details
Published in:
Borsò Vittoria, Cepl-Kaufmann Gertrude, Reinlein Tanja, Schönborn Sibylle, Viehöver Vera (2002) Schriftgedächtnis — Schriftkulturen. Stuttgart, Metzler.
Pages: 239-256
DOI: 10.1007/978-3-476-02870-9_15
Full citation:
Welbers Ulrich (2002) „Die schrift als Teil der Rede?!: Humboldts Artikulation der Erinnerung“, In: V. Borsò, G. Cepl-Kaufmann, T. Reinlein, S. Schönborn & V. Viehöver (Hrsg.), Schriftgedächtnis — Schriftkulturen, Stuttgart, Metzler, 239–256.