Central and East European
Society for Phenomenology

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222983

"Gemeinschaft und Gesellschaft" und die Kritik der Gebildeten am Deutschen Kaiserreich

Harry Liebersohn

pp. 17-30

Abstract

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs schreiben Historiker häufig über die Kritik der Gebildeten am deutschen Kaiserreich. Und zwar mit gutem Grund: Das kaiserliche Deutschland mit seiner raschen Wandlung von einer traditionellen zu einer modernen Gesellschaft schien in vieler Hinsicht die Probleme und Möglichkeiten, die Freiheiten und die Gefahren des zwanzigsten Jahrhunderts vorwegzunehmen. Seine gebildete Schicht beobachtete diesen Wandel mit einem hohen Grad an Reflektiertheit und hinterließ eine Fülle von kritischen Schriften, die uns immer noch direkt ansprechen. In ihrem Eifer, die Aktualität der Vergangenheit zu entdecken, haben Historiker in dieses Thema aber eine Einheit und Geradlinigkeit hineingelesen, die es nicht hatte. So entdecken wir Beweise für die "Politics of Cultural Despair", von Angst und Abscheu gegenüber der Massengesellschaft (Fritz Stern, 1965). Aber wir können auch ein Bekenntnis zur Industrialisierung und Technologie ebenso wie die Bejahung der wachsenden Rolle der Massen in der Politik und eine Sympathie für die Aspirationen der Arbeiter finden. Eine so große Schicht wie das gebildete Bürgertum im kaiserlichen Deutschland widersetzt sich schneller Verallgemeinerung.

Publication details

Published in:

Clausen Lars, Schlüter Carsten (1991) Hundert Jahre "Gemeinschaft und Gesellschaft": Ferdinand Tönnies in der internationalen Diskussion. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Pages: 17-30

DOI: 10.1007/978-3-663-01367-9_1

Full citation:

Liebersohn Harry (1991) „"Gemeinschaft und Gesellschaft" und die Kritik der Gebildeten am Deutschen Kaiserreich“, In: L. Clausen & C. Schlüter (Hrsg.), Hundert Jahre "Gemeinschaft und Gesellschaft", Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 17–30.