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Sozialstruktur- und Sozialraumforschung im Nationalsozialismus
Eine Skizze der Forschungslinien
pp. 51-113
Abstract
Nicht wenige Soziologen sahen mit Hitler's "Machtergreifung" im Januar 1933 die Chance gekommen, die Marginalisierung der Soziologie im Wissenschaftsbetrieb zu überwinden, denn die Diktatur lieferte die Themen, die die Soziologie aus ihrem selbstgewählten Ghetto der geschichtsphilosophischen Diskurse und "großen Theorien" zu befreien versprachen. Den Sicherheitsund Expansionsinteressen des politischen Systems folgend, sollte an die große Tradition der Sozialwissenschaft als "Krisenwissenschaft" angeknüpft werden. Die zu diesem Zeitpunkt erst sehr unvollständig institutionalisierte Fachdisziplin Soziologie sollte innerhalb von interdisziplinär aufgebauten, empirisch forschenden und administrativ gebundenen Planungswissenschaften des "Sozialen" die Führungsrolle übernehmen. Trotz anfänglicher Versuche seitens einiger Fachvertreter auch auf die politisch-gesellschaftliche Gestaltung des Projektes "Nationalsozialismus' im Sinne einer richtungsweisenden Rolle der Soziologie als normative "Heilslehre" Einfluß zu nehmen, kristallisierte sich alsbald ihre ebenso reizvolle wie zugleich ernüchternde Funktion heraus: die Soziologie sah sich in die Rolle des Helfershelfer des administrativen Apparates versetzt.
Publication details
Published in:
Klingemann Carsten, Neumann Michael, Rehberg Karl-Siegbert, Srubar Ilja (1994) Jahrbuch für Soziologiegeschichte 1992. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.
Pages: 51-113
DOI: 10.1007/978-3-322-96047-4_2
Full citation:
Gutberger Jörg (1994) „Sozialstruktur- und Sozialraumforschung im Nationalsozialismus: Eine Skizze der Forschungslinien“, In: C. Klingemann, M. Neumann, K.-S. Rehberg & I. Srubar (Hrsg.), Jahrbuch für Soziologiegeschichte 1992, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 51–113.